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Die etwas andere Geschichte der Schall-Platte

Eine Chronik von Peter K. Burkowitz †

1951
  • Inzwischen wurden u. a. folgende namhafte Künstler gewonnen: Dietrich Fischer-Dieskau, Christel Goltz, Josef Greindl, Elisabeth Höngen, Annelies Kupper, Fritz Lehmann, Wilma Lipp, Max Lorenz, Enrico Meinardi, Wolfgang Schneiderhan, Irmgard Seefried, Carl Seemann, Elfriede Trötschel, Hermann Uhde, Wolfgang Windgassen, Wilhelm Kempff, Leopold Ludwig und Walther Ludwig.
  • In Deutschland wird die Kunststoff-LP mit 33⅓ U/min marktgängig.
  • Auf der Funkausstellung erregen zwölf Gelbetikett-LP-Neuerscheinungen wegen ihrer herausragenden Qualität und der erstmaligen Unterbringung auf einer LP-Seite großes Aufsehen, u. a.: Mendelssohn Sommernachtstraum, BPO, Fricsay; II. Brahms, BPO, Jochum; Mozart, Kleine Nachtmusik, Kammer-Orch. des Bayr. Rdfk., Jochum; Brahms Orchester-Variationen über ein Thema von Haydn op. 56, Leitner, Württembergisches Staatsorchester Stuttgart.
1952
  • Prof. Elsa Schiller, bislang Musikchefin des RIAS-Berlin, wird E-Produktionsleiterin der DGG.
  • Die erste Opern-Gesamteinspielung erscheint auf LP: Lortzings „Zar und Zimmermann“, Auftakt zu einer langen Reihe kompletter Opern auf Gelb-Etikett.
  • Kurt Richter wird Leiter der U-Produktion.
  • H. Keilholz, Leiter der DGG-Aufnahmeabteilung, stattet die Wiener Staatsoper erfolgreich mit neuartigen, dekorstilisierten Akustik-Elementen aus.
1953
  • Dr. Ernst von Siemens wird Vorsitzender des Aufsichtsrats der DGG.
  • Dr. Ladislaus Veder, Polydor U-Produktion, wird Geschäftsführer, und P. K. Burkowitz, RIAS, wird Leiter der Aufnahmeabteilung der Gesellschaften Electrola und Carl Lindström in Köln, die noch im gleichen Jahr zur Electrola GmbH fusionieren.
  • Industrieweit wird die 17-cm-Platte mit 45 U/min eingeführt.
1954
  • Die DGG gründet in London ihre Tochter Polydor UK, Ltd.; Managing Director wird W. Riemer, zuvor Export-Div., Hannover.
  • Die DGG nimmt erstmalig ein komplettes Werk der Literatur auf LPs auf: Goethes „Faust“.
  • 84 % der Auslieferungen sind noch 78er-Schellack-Platten.
  • Das Werk in Hannover wird um 1000 qm vergrößert.
1956
  • Geschäftsleitung und Hauptverwaltung der DGG werden von Hannover nach Hamburg verlegt.
  • Nach erfolgreicher Einführung proprietärer portabler modularer Stereo-Mischpulte bei Electrola, Köln, entwirft P. K. Burkowitz für die EMI-Gruppe die REDD-17- und -37-Modellserie, die später aufgrund des Einsatzes bei Beatles-Aufnahmen in den Abbey Road Studios Kult-Status erlangt und seit 2006 in einigen Studios reaktiviert wird.
  • Mit einer der Kölner Anlagen macht P. K. Burkowitz in der Berliner Grunewald-Kirche die ersten Stereo-Aufnahmen für Capitol Classics, veröffentlicht 1957 (Stravinsky Feuervogel und Petruschka-Suite, Berliner Philharmoniker, Leopold Stokowski; phasenreine 1-Mikrofon-Technik mit SM2 in Kreuz-8, heute noch als Lehr-Objekt in Anwendung).
1957
  • In Langenhagen bei Hannover wird für künftige Spritzguss-Plattenfertigung der Grundstein für eine neue Fabrikationsanlage gelegt.
  • Nach dem großen Erfolg von „Faust I“ (Düsseldorf, Gründgens) wird das „Literarische Archiv“ (grünes Etikett) gegründet, dem künftig Aufsichtsrat-Mitglied Dr. Adolf Lohse volle Aufmerksamkeit widmet.
1958
  • Die DGG veröffentlicht ihre erste Stereo-LP. Stereo-Aufnahmen wurden, wie bei den meisten Konkurrenten, jedoch „auf Vorrat“ schon ab 1956 gemacht. Wegen der fortschrittlichen Tonabnehmer-Entwicklung können Stereo-LPs in Deutschland frühzeitiger als „Mono-kompatibel“ (auch auf Mono-Geräten abspielbar) angeboten werden.
  • Die Fertigung von 78ern in Schellack wird eingestellt. Am Markt haben sich die Vinyl-Formate (LP 33⅓ und Single 45 U/min) für das jeweils passende Repertoire durchgesetzt und etabliert.
1959
  • Herbert von Karajan wird von der DGG erneut langfristig unter Vertrag genommen.
  • In Langenhagen – gleich neben dem Gelände der späteren EBS-Studios – läuft die Spritzgussfertigung an, zunächst mit 40.000 Stück pro Tag, steigerungsfähig auf 120.000 Stück.
1960 Der Umfang der DGG-Kataloge erreicht mit mehr als 5.000 Titeln namhaftester Künstler aller Stilrichtungen einen neuen Spitzenplatz am Welt-Musikmarkt.
  DG-Studio in der Podbielskistraße, Hannover, um 1960 DG-Studio in der Podbielskistraße, Hannover, um 1960
1961
  • Dr. W. Betcke, Geschäftsführer der DGG, wird für eine Amtszeit zum Vorsitzenden der IFPI gewählt.
  • Horst Söding, Chef der Entwicklungsabteilung bei der DGG, stellt intern die erste experimentelle Entwicklung einer Bildplatte (Video Disc) vor.
1962
  • Die Siemens AG, München, und Philips Gloeilampen Fabrieken N. V., Eindhoven/Niederlande, beschließen, angesichts der beiderseits zu erwartenden Vorteile (DGG = überragendes Repertoire – PPI = weltweit eigene Niederlassungen) ihre Töchter DGG und PPI (Philips Phonographische Industrie) unter Beibehaltung rechtlicher Unabhängigkeit wirtschaftlich zusammenzulegen. Die gemeinsame Arbeitsbezeichnung ist zunächst „GPG“ (in D = Grammophon-Philips-Gruppe, in NL = Gruppe Philips Grammophon). Präsident wird Coen Solleveld, F & A Johannes van der Velden, Distribution & Sales Kurt Kinkele, Engineering Dr. H. W. Steinhausen, Polydor Int. Dr. Werner Vogelsang, PPI Piet Schellevis, DGG Richard Busch, Philips Reinhard Klaassen.
  • Die Gruppe übernimmt Firma und Label Mercury (US).
  • Immelmann entwickelt bei GPG-Hannover ein vollautomatisches elektronisches Platten-Prüfsystem.
  • Am 22.3. wird P. K. Burkowitz bei EMI-Electrola das DBP 1113474 (angemeldet 16.1.1960) für den „Autoadaptiven Kompressor“ erteilt (je höher die Nutzsignal-Spitzenpegel, desto kürzer die Regel-Rücklaufzeit – vermindert den „Pump“-Effekt).
1964 Nach Ablauf seiner Amtszeit übergibt Dr. W. Betcke den Vorsitz bei der IFPI an Richard Dawes, EMI.
1965 Start der Serienfertigung von MusiCassetten (MC) in Hannover.
1967
  • P. K. Burkowitz übernimmt die auf GPG-Gruppenebene geschaffene Zuständigkeit für Aufnahme-Betrieb und -Technik „GRM“ (Group Recording Management) mit Sitz in Hannover, alternativ Baarn in Holland. Technische Planungs-, Bau- und Service-Kapazitäten werden nach Bedarf und Zweckmäßigkeit auf beide Standorte verteilt und Koordinierungsmaßnahmen auf allen Ebenen eingeleitet. Für die Studios der Landes-Niederlassungen wird zentrale Betreuung geschaffen und mit Vereinheitlichung, Modernisierung und Rationalisierung in geeigneten Belangen begonnen.
  • Mit Dr. Steinhausen finden erste Sondierungsgespräche wegen Verlegung der Tontechnik-Arbeitsplätze aus Hannover nach Langenhagen in einen dort neu geplanten Verwaltungsbau statt. Eine schon zu der Zeit angedachte, aus akustischen Gründen (Autobahnnähe) bevorzugte Lösung in Form eines separaten Baukörpers ist wegen begrenzter Finanzierungsmittel nicht realisierbar, wird aber auch nicht endgültig verworfen.
1969
  • Die Gruppe übernimmt Chappell Music Publishing (UK & US).
  • Aufnahmeabteilung, Tontechnik und GRM ziehen um nach Langenhagen in den Verwaltungs-Neubau.
  • C. Olms, Studioleiter Polydor London, beschreibt die Prinzipien und Lösungsmöglichkeiten für die automatische Wiederholung von Arbeitsabläufen am Mischpult.
  • P. K. Burkowitz erkundet anlässlich einer US-Rundreise Säle, Studios und Aufnahmeeinrichtungen der bekanntesten Labels in New York, Chicago, Montreal, Detroit, Philadelphia, Pittsburgh, Cleveland, Cincinnati, Nashville, Memphis, Boston, San Francisco und Los Angeles. Die dabei in Boston erhaltene und umgehend nach Hamburg an Kurt Kinkele weitergegebene Information über auslaufende Vertragsbindung des BSO mit RCA führt zu einem langfristigen neuen Vertrag mit der DGG, für die dann dort (erstmalig in der Symphony Hall) ein eigener Regieraum eingebaut werden kann (s. Abb. weiter unten), modernes Transistor-Analog-Pult aus der Werkstatt des GPG-Audio-Engineering Dpt. Baarn; örtliche Projekt-Überwachung in Boston: Paul Meister, GPG-Audio-Engineering Dpt. Hannover).
1970
  • Die Gruppe übernimmt das Platten-Label RSO (UK).
  • Erste 4-Kanal-Aufnahmen für 4-spurige Quadrophonie-Platten.
  • In den Niederlanden findet das erste weltweite Group Recording Managers Meeting statt (Studio-Leiter der Landesgesellschaften). Viele sehen ihre Kollegen aus anderen Ländern zum ersten Mal. Es stellt sich großer Bedarf für und Interesse an zeitgerechter technischer Information heraus. Hierfür wird eine reguläre künftige Versorgung eingerichtet, in die eine Anleitung zu praktischen und wirtschaftlich sinnvollen Harmonisierungen eingebunden wird.
1971
  • Siemens und Philips formalisieren GPG zu PolyGram.
  • Nach jahrelanger, internationaler Vorarbeit von Johann L. Ooms – ehem. Chefingenieur für Elektroakustik bei PPI – und regionalen Initiativen von P. K. Burkowitz und diversem Technischen Leitern einschlägiger europäischer Unternehmen findet erstmals eine Convention der Audio Engineering Society (AES) auf europäischem Boden, in Köln, statt. Die Veranstaltung markiert den Beginn einer neuen (notwendigen) internationalen, engen Verknüpfung von Kenntnis über und Erfahrung mit Technologien und Neuerungen. PKB leitet die drei ersten Treffen in Köln 1971, München 1972 und Rotterdam 1973; siehe auch folgenden Link: AES History: Background Information – AES Amsterdam 2008 (2. April, 2008)
  • Am 8. Februar 1971 wird der Regieraum in der Boston Symphony Hall offiziell in Gegenwart von Presse eröffnet:
  Das Bild zeigt v.l.n.r. u. a.: Hans Hirsch, Chef DGG-Klassik; Günter Hermanns (teils verdeckt), DGG-Tonmeister; Peter Burkowitz, Chef Group Recording; Victor Campos, KLH Research & Development Corp.; Larry Klein, Technical Editor Stereo Review (Sonnenbrille); Edward Tatnall Canby, Musik-Kritiker (Stirnglatze, vorgebeugt); Peter Davis, Music Editor High Fidelity (Pressemappe im Arm); R. D. Darrell, Musik-Kritiker High Fidelity (vorn rechts, weißbärtig). Das Bild zeigt u. a. (v. l. n. r.): Hans Hirsch, Chef DGG-Klassik; Günter Hermanns (teils verdeckt), DGG-Tonmeister; Peter Burkowitz, Chef Group Recording; Victor Campos, KLH Research & Development Corp.; Larry Klein, Technical Editor Stereo Review (Sonnenbrille); Edward Tatnall Canby, Musik-Kritiker (Stirnglatze, vorgebeugt); Peter Davis, Music Editor High Fidelity (Pressemappe im Arm); R. D. Darrell, Musik-Kritiker High Fidelity (vorn rechts, weißbärtig).
1972
  • Die Gruppe übernimmt Verve Records (US) und MGM Records (US).
  • Die Klassik-Teams von DGG und Philips (PolyGram) werden planmäßig mit 8-, bald darauf mit 16-Spur-Maschinen ausgestattet (Studer).
1976
  • Die Gruppe übernimmt UDC (UNITED DISTRIBUTION CORPORATION US).
  • Die Gruppe schließt einen Distributionsvertrag mit 20th Century Records und RCA (außer US).
1977
  • Die Gruppe erwirbt 50 % am Label Casablanca.
  • L. Schmidt und Gorski, POLYGRAM-AED Hannover, realisieren das erste automatisierte Abmischsystem mit Zwischenspur-Datenaufzeichnung und Echtzeit-Datenerneuerung.
  • DECCA in London baut in der eigenen Werkstatt proprietäre digitale Tonbandmaschinen.